Das kleine 1×1 der Haustierfotografie, so machst du schöne Bilder von deiner Katze

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  • Wenn Du Tiere fotografierst, solltest Du auf Überraschungen gefasst sein. Wenn Hund, Katze und Maus im Fokus sind, kommt es oft anders, als man es sich wünscht.
  • Wenn Du Spaß an der Fotografie hast und dazu noch eigene Haustiere Dein eigenen nennen darfst, wirst Du vermutlich sehr oft Deine tierischen Modelle als Motiv nutzen.
  • Wenn Du dabei noch einige Tipps brauchst oder Du ganz neu in die Haustierfotografie einsteigen möchtest, empfehle ich Dir das kleine 1×1 der Haustierfotografie zu lesen. Im kleinen 1×1 der Haustierfotografie möchte ich Dir ein paar Dinge näherbringen, wie das Fotografieren von Haustieren vielleicht ein bisschen leichter und eventuell sogar noch ein wenig besser funktioniert.

Im Folgenden möchte ich einige Punkte aufführen, die Du wissen und beachten solltest, wenn Du Haustiere fotografierst. Das Meiste davon ist eigentlich selbstverständlich, dennoch sind diese Punkte so wichtig, dass man sie nicht vergessen sollte.

Die Vorbereitungen

Je mehr Du über ein bestimmtes Tier und sein Verhalten weist, umso besser. Recherchiere deshalb im Vorfeld über die Tierart. Wenn Du beispielsweise die Rasse des Tieres weist, welche Du fotografieren wirst, solltest Du dich unbedingt über die Schlüsseleigenschaften deren informieren. Zu den Schlüsseleigenschaften gehören: Größe, Färbung, bestimmte Markenzeichen usw… Ganz klar sind diese Schlüsseleigenschaften nur grobe Richtlinien, denn zwischen den einzelnen Rassen gibt es doch immer wieder deutliche Unterschiede. Außerdem solltest Du nicht nur etwas über die Rassemerkmale herausfinden, wichtig ist auch, dass Du etwas über das Temperament und die Charaktereigenschaften herausfindest. Der Besitzer kann Dir sicherlich noch einige individuelle Merkmale seines Tieres verraten. Frage vor dem Treffen auch nach dem Alter, möglichen Erkrankungen oder Behinderungen (beispielsweis nur drei Beine).

Wenn Du fremde Tiere fotografierst, erstelle Dir doch eine kleine Liste, auf der Du alles niederschreibst, was Du den Tierbesitzer vor dem Fotoshooting fragen möchtest.

Ein paar Vorschläge:

• Was mag das Tier nicht? Was sollte ich vermeiden?

• Gibt es typische Merkmale oder Dinge, die das Tier gern macht?

• Welche Kommandos kennt das Tier?

Die Informationen, die Du dir vor einem Fotoshooting aneignest, helfen Dir auf verschiedene Weise. Angenommen, Du sollst einen Labrador fotografieren, der entweder creme, braun oder schwarz sein kann. Wenn Du den braunen oder schwarzfarbenen Labrador vor einem natürlichen Hintergrund fotografieren möchtest, kann es schnell passieren, dass der Hund vor dem Hintergrund verschwindet. Dann brauchst Du unbedingt einen helleren oder dunkleren Hintergrund oder musst das Tier vor dem Hintergrund anders ausleuchten. Jede weitere Information hilft Dir, Entscheidungen in Bezug auf die Umgebung zu treffen, in der Du ein Tier ablichten wirst.

Bei Haustieren wie Katzen, Kaninchen und Mäusen steht die Umgebung bereits fest. Hier musst Du direkt vor Ort kreativ werden und aus den Gegebenheiten das Beste machen. Außerdem bestimmt aber auch das Temperament und das Verhalten eines Tieres die Wahl der Umgebung. Ein Hund, der auf den eigenen Besitzer nicht hört und sich sehr leicht ablenken lässt, fotografiert man besser in einer sicheren Umgebung wie zum Beispiel in einem geschlossenen Grundstück. So kannst Du sicher stellen, dass das Fotoshooting problemlos abläuft und auch wirklich allen Spaß macht.

Haustier_Fotografie_01Das richtige Objektiv

Für die Tierfotografie eignen sich fast alle Objektive, allgemein gilt: Das Objektiv muss lichtstark sein. Fotografierst Du die Tiere im Studio, kannst Du im Prinzip dein Lieblingsobjektiv verwenden. Dabei eignen sich Zoomobjektive als auch Teleobjektive. Letztendlich solltest Du ausprobieren, womit Du lieber arbeitest. Teleobjektive eignen sich gut bei der Fotografie von scheuen Tieren. Natürlich sind die Objektive entsprechend schwer. Um Verwacklungen vorzubeugen, kann aber ein Stativ helfen. Manche arbeiten eher ungern mit einer 50 mm Festbrennweite. Mir hingegen gefällt auch die Tierfotografie mit diesem Objektiv. Wie alles im Leben ist auch die Objektivwahl eine Frage des Geschmacks, und ein Shooting ohne Objektivwechsel habe ich noch nie erlebt.

Das Licht

Fotografen brauchen Licht, schließlich heißt fotografieren so viel wie “Licht einfangen”. Deshalb lohnt es sich, wenn Du dich mit den verschiedenen Arten von Licht auseinandersetzt.

 

Haustier_Fotografie_02Natürliches Licht

Als Natürliches Licht wird jenes Licht bezeichnet, das aus keinen künstlichen Lichtquellen (Leuchtstoffröhren, Blitzlampen etc.) stammt. In erster Linie fällt unter das natürliche Licht das Sonnenlicht. Aber auch das Mondlicht und das Licht der Sterne sind natürliches Licht. Es variiert immens nach Tageszeit, Jahreszeit, Ort und atmosphärischen Bedingungen wie zum Beispiel Bewölkung, Dunst und Nebel. Ich arbeite allgemein sehr gerne mit dem natürlichen Licht, da es ganz einfach vorhanden ist- man braucht dazu also weder ein Blitzgerät, noch Batterien. Außerdem werden die Tiere vor der Kamera beim Fotografieren mit natürlichem Licht nicht verängstigt- anders als beim Fotografieren mit Studiolicht.

Studiolicht

Studiolicht ist Licht, das speziell für die Fotografie entwickelt wurde. Dabei handelt es sich weder um natürliches Licht, noch um Licht für andere Zwecke (beispielsweise Straßenbeleuchtung). Das Studiolicht wird in zwei Kategorien unterteilt- in Dauerlicht und Blitzlicht. Das Arbeiten mit Dauerlicht ist dabei einfacher, da man sofort die Wirkung beurteilen kann. Der Nachteil des Dauerlichts sind allerdings häufig eine zu geringe Leistung sowie die unangenehme Hitzeentwicklung.

Ein Blitzgerät ist heutzutage die leistungsstärkste und kompakteste Lichtquelle. Dabei lässt sich ein Blitzgerät auch außerhalb des Studios leicht einsetzen. Der Blitz hat jedoch den Nachteil, dass das, was der Fotograf sieht, nicht unbedingt mit der Belichtung in der Kamera übereinstimmt. Deshalb benötigst Du die entsprechende Erfahrung, um beurteilen zu können, wie sich die am Blitz vorgenommenen Einstellungen auf dem Bild auswirken.

Wie schon vorhin kurz angeschnitten, werden Tiere beim Fotografieren mit Studiolicht gerne verängstigt. Das Dauerlicht irritiert Tiere sehr häufig. Dennoch ist der Einsatz von Dauerlicht bei der Haustierfotografie vorteilhafter als der Einsatz von Blitzlicht. Das Blitzlicht ist nämlich aggressiv und kommt so plötzlich, wie es auch wieder geht. Blitzlicht setzt ein Tier also mehr unter Stress, als das dauerhaft vorhande Dauerlicht.

Die Kameraeinstellungen

Während Du im Studio im manuellen Modus fotografierst, solltest Du im Freien vielleicht – je nach Kenntnisstand mit der Zeitautomatik arbeiten. Hierbei wählst Du den Blendenwert und die Kamera passt die Belichtungszeit entsprechend an.

Um mit der Zeitautomatik und dem manuellen Modus gute Resultate zu erzielen, musst Du dich mit den Kameraeinstellungen befassen. Taste Dich langsam an die verschiedenen Kreativmodis heran, lasse Dir dabei aber vor allem Zeit! Es dauert immer ein Weilchen, bis man das Zusammenspiel von Blende und Verschlusszeit verstanden hat. Verlasse Dich beim Fotografieren nicht auf das Arbeiten im Auto- Modus.

Haustier_Fotografie_04Am Anfang mag der Auto- Modus eine tolle Sache sein, aber Du möchtest doch mehr darüber erfahren, wie Deine Kamera arbeitet und wie Du mit manuellen Einstellungen mehr aus Deinen Aufnahmen herausholen kannst? Für Dich sind anfangs die Begriffe der Belichtung “Blende” und “Verschlusszeit” wichtig. Deshalb solltest Du wissen, wofür diese Begriffe stehen und was Du mit diesen ansteuern bzw. was Du mit der Veränderung der Werte verändern kannst. Das erklärt sich nicht in zwei, drei Sätzen. Das solltest Du einfach selbst in unterschiedlichen Situationen ausprobieren. Irgendwann wirst Du dahinter kommen und instinktiv die richtigen Einstellungen vornehmen.

Stell Dich vor

Generell solltest Du dich zunächst einem fremden Tier vorstellen. Wie? Genau so, wie Du es auch bei zweibeinigen Modellen tust. Hast Du selbst ein Tier? Ich habe welche. Und ich erwarte von den Personen, die mit meinem Tier arbeiten (wie zum Beispiel der Tierarzt), dass sie sich meinen Tieren “vorstellen” und nicht direkt mit ihrer Arbeit beginnen, als würden sie ein Gerät reparieren. Manchen Tieren wie zum Beispiel Hunden oder Pferde kannst Du zur Begrüßung (natürlich nur wenn Herrchen damit einverstanden) ein Leckerli geben. So verbindet Dich das Tier sofort mit etwas Positivem und schaut doch direkt etwas freundlicher in die Kamera! Bei giftigen Schlangen & Co. darfst Du hier unter Umständen natürlich eine Ausnahme machen. Einer Schlange eine Maus zu verfüttern ist schließlich nicht jedermanns Sache.

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Die Arbeit des Assistenten

Bei jedem Fotoshooting solltest Du vorher mit dem Besitzer klären, wer dem Tier die Befehle gibt oder Geräusche macht. Ist das nicht klar geregelt und bekommt das Tier sowohl von Dir, als auch vom Besitzer Anweisungen, führt das leicht zu Verwirrungen. Da ist es kein Wunder, wenn das Tier möglicherweise in die falsche Richtung schaut. Der beste Assistent in der Haustierfotografie ist und bleibt der Tierbesitzer. Er kennt sein Tier so gut wie kein anderer und das Tier gehorcht auf ihn am besten.

Das Tier muss im Bild bleiben

Damit Du ideal fotografieren kannst, solltest Du deinem Assistenten einfach sagen, wo Du das Tier gerne haben möchtest. Das ist alles nicht ganz einfach- auch für den Assistenten ich das eine große Herausforderung. Ansonsten bleibt nur eins: Ändere (wenn möglich) Deine Position mit der Kamera.

Das Tier animieren

Ist das Tier ruhig und bleibt freiwillig am Platz, kann der Assistent eine Position neben dem Fotografen einnehmen. Dann kann der Assistent mit einem Spielzeug die Aufmerksamkeit der Katze in Richtung Kamera lenken.

Dabei sollte der Helfer darauf achten, dass das Tier nicht zu ihm springt. Aktive Tiere (egal ob Katze oder Hund) versuchen nämlich meist, das Spielzeug irgendwie zu erhaschen. Vom Assistenten ist an dieser Stelle also etwas Feingefühl gefragt.

Das Spielzeug sollte nicht in das Bild herein hängen (außer, man möchte das Tier bewusst mit Spielzeug fotografieren) und außerdem sollte das Tier in Richtung Kamera, leicht nach oben, links oder rechts schauen. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass das Tier nicht zu hoch schaut.

Rücksicht nehmen

Das Wichtigste bei der Tierfotografie ist, ganz egal ob Du eigene oder fremde Haustiere fotografierst: Das Wohl der Modelle vor der Kamera! Das ist das A und O auf dem Weg zur perfekten Aufnahme. Schließlich sind Tiere keine Menschen, denen Du sagen kannst, in welcher Pose Du sie gerne fotografieren möchtest. Hast Du schon einmal versucht eine Katze zu etwas zu überreden? Ja? Dann weist Du ja bestimmt, was ich meine. Die Tiere haben nicht selbst entschieden, sich fotografieren zu lassen. Nein, das haben ganz allein Herrchen oder Frauchen entschieden. Und möglicherweise ist Minka gerade an diesem Tag schlecht gelaunt. Dazu kommt womöglich noch, dass sie sich zum Fotoshooting an einer ihr völlig fremden Umgebung befindet. Und als würde all das nicht schon völlig ausreichen, kommt dann noch ein Fremder mit einem eigenartigen Gerät in der Hand angelaufen, das sehr merkwürdige Geräusche macht. Unter diesem Umständen steht das Tier (besonders Katzen) unter Stress und ist vielleicht ängstlich. Das aller letzte, was ein Fotograf brauchen kann, ist ein verängstigtes oder sich gerade zur Flucht bereit machendes Tier. Das Wohl der Tiere muss beim Fotografieren also immer eine allgegenwärtige und stets zu berücksichtigende Sache sein. Der Kunde ist König. Die Samtpfote ist der Kaiser. Zumindest, wenn sie vor meiner Kamera steht.

Sei es Stress, Nervosität oder Müdigkeit, das alles sind Anzeichen, dem Tier eine Pause zu gönnen oder das Fotoshooting zu beenden und das Fotografieren ein andermal fortzusetzen. Ansonsten kann es passieren, dass das Tier mit Aggression reagiert, um sich so vor Dir und Deiner aufdringlichen Kamera Ruhe zu verschaffen. Pausen sollten bei einem Shooting mit Tieren immer eingeplant werden.

Geduld… en Masse!

Das Zitat “Gut Ding will Weile haben.” trifft ganz besonders in der Fotografie voll und ganz zu. Während Herrchen oder Frauchen versucht, den Hund zum Sitz zu überreden, werden Dir die Arme immer schwerer. An dieser Stelle darfst Du aber absolut nicht den Fehler machen, vorschnell aufzugeben. Ansonsten kann es passieren, dass Du den einen perfekten Moment verpasst. Außerdem brauchst Du bei der Haustierfotografie einen sehr geduldigen Charakter. Falls Du das nicht hast, solltest Du daran arbeiten oder Dich fotografisch einem anderen Gebiet wie zum Beispiel der Landschaftsfotografie zuwenden.

Doch die Herausforderung hat auch etwas Gutes: Je anstrengender das Fotoshooting und je schwieriger das Tier zu fotografieren ist, desto mehr wirst Du dich später über das ein oder andere trotzdem gelungene Bild freuen!

Einfallsreichtum & Spontanität

Ein Haustierfotograf muss auf jeden Fall einfallsreich und spontan sein. Stelle Dir einmal vor, Du hast Dich zu einem Fotoshooting im Park verabredet und plötzlich ziehen schwarze Wolken auf. Wenn der Termin nicht verschoben werden soll (was immer sehr Schade ist), solltest Du spontan umdisponieren können. Überlege Dir deshalb vor jedem Fotoshooting auch immer eine alternative Location, falls das Wetter nicht wie gewollt mitspielen sollte.

Fazit

Wenn Du Haustiere fotografieren möchtest, musst Du deren individuellen Charakter kennen lernen und respektieren, bevor Du dich ihnen näherst. Der Tierbesitzer kann Dir am Meisten von seinem Tier erzählen. Deshalb solltest Du mit ihm auch die ein oder andere Bildidee absprechen. Auch bei der Wahl der Ausrüstung und der Lichtführung gilt ähnliches wie beim Fotografieren von Menschen. Haustiere sind im Wesentlichen einfach nur kleiner und noch viel unberechenbarer als kleine Kinder.

Bilder: Julia Stern, fotoholiker



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